Projekt 17786/01

Studie zur modellhaften Erfassung für die Bewahrung und Pflege von umweltbelastetem national wertvollem Kunstgut in denkmalgeschützten Innenräumen am Beispiel des Domschatzes zu Halberstadt (Sachsen-Anhalt)

Projektdurchführung

Stiftung zum Erhalt und zur Nutzung der Dome,Kirchen und Klöster des Landes Sachsen-Anhalt- Domstiftung -
Schloß Leitzkau
39279 Leitzkau

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Zielsetzung und Anlaß des Vorhabens ist die Erarbeitung einer langfristigen konzeptionellen Planungsgrundlage für die umfassende Sicherung, Pflege und Präsentation des Domschatzes in unter Denkmalschutz stehenden Räumen im Dom zu Halberstadt unter besonderer Berücksichtigung der extremen raumklimatischen Wechselbelastungen, denen die etwa 650 Objekte der unterschiedlichsten Kunstgattungen ausgesetzt sind. Angesichts der vorhandenen umweltrelevanten chemischen und mikrobiologischen Schadensbilder gilt das Hauptaugenmerk dabei der Verbesserung der Aufbewahrungsbedingun-gen, die als grundlegende Voraussetzung einer kontinuierlichen und nachhaltigen Vorsorge angesehen wird.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Bestandsaufnahme der Umweltbedingungen im Domschatzbereich sowie die Analyse und Definition der konservatorischen Rahmenbedingungen in den künftigen Ausstellungs- sowie Depoträumen stellten die Grundlagen für die zu erarbeitende Neukonzeption dar. Ausgehend von einer umfassenden Bauaufnahme einschließlich einer ausführlichen Beschreibung der baulichen Beschaffenheit der historischen Räumlichkeiten, die als planerische Basis für alle nachfolgenden Überlegungen heranzuziehen ist, stand zunächst die Untersuchung der derzeitigen Umweltbedingungen im Vordergrund, die Schadstoffanalysen, die die Erfassung der Schadstoffquellen und die Analyse des Zusammenwirkens der Schadstoffe umfasste.


Ergebnisse und Diskussion

Mit dem zusammenfassenden Bericht Der Domschatz zu Halberstadt - Studie zur modellhaften Erforschung der Bedingungen für die Bewahrung und Pflege von umweltbelastetem national wertvollem Kunstgut in denkmalgeschützten Innenräumen liegt für diesen Kirchenschatz eine erstmals interdisziplinär erarbeitete, wissenschaftlich fundierte, die derzeitigen Umweltbedingungen analysierende und daraus schlussfolgernd Verbesserungsmaßnahmen benennende, dabei gleichzeitig die vorhandene Präsentations- und Depotsituation optimierende Planungsgrundlage für die Überarbeitung der gesamten Domschatzkonzeption vor. Sie trägt dem dringenden Handlungsbedarf Rechnung, charakterisiert die wesentlichen Arbeitsschritte zu ihrer Verwirklichung, ordnet diese in einen Zeitplan und eine Kostenschätzung ein.
Die umfassende und systematische Beschäftigung mit den Ausgangsbedingungen vor Ort in Halberstadt führte zu einer ausführlichen Bestandsaufnahme (baugeschichtlich, archivalisch und bautechnisch). In Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der naturwissenschaftlichen Untersuchungen (Schadstoff-, mikrobiologische und raumklimatische Untersuchungen) wurden raumklimatische und beleuchtungstechnische Zielgrößen für die unterschiedlichen Materialkombinationen der Domschatzobjekte definiert und auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmte Vitrinenkonstruktionen (z. B. Teppich- und Schatzkammervitrinen) vorgeschlagen.
Gleichzeitig gilt es, die Arbeitsmöglichkeiten für die Durchführung von Pflege- und Konservierungsmaßnahmen zu verbessern. Nach intensiver Diskussion und reiflicher Überlegung wurde als einzig adäquate Lösung die Errichtung eines modernen Funktionsanbaus entwickelt, der gleichzeitig zu Verbesserungen im Verwaltungsbereich führt.
Die Optimierung der konservatorischen Rahmenbedingungen erfolgte in engem Zusammenhang mit der Überarbeitung der inhaltlichen Neukonzeption der Domschatzpräsentation. Die Grundüberlegung dabei war, den Charakter des Kirchenschatzes zu wahren und gleichsam seine Exklusivität durch die Fortführung der Präsentation in den historisch angestammten Räumen zu unterstreichen. Angestrebt wird eine zeitgemäße, kunsthistorisch wie museumsdidaktisch in sich schlüssige, sich dem historischen Raumkontext anpassende Ausstellungsgestaltung, die die bisherige thematische bzw. gattungs- und funktionsbedingte Zuordnung der Objekte im Wesentlichen beibehält, allerdings durch die Hinzugewinnung von Ausstellungsflächen und die Wiederherstellung räumlicher Zusammenhänge (z.B. Kapitelsaal, untere und obere Bischofskapelle) modifiziert und akzentuiert wird und dadurch an Aussagekraft gewinnen wird.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Um die Arbeitsergebnisse der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, wird die Studie auf CD gespeichert. Zusätzlich erarbeiten die Domstiftung und die Domschatzverwaltung gemeinsam eine Informationsbroschüre, die den Domschatz näher vorstellt und auf die Dringlichkeit des in der Studie formulierten Maßnahmenkataloges eingeht. Zur Konkretisierung des Vorhabens wird dieser Publikation die oben genannte CD beigelegt. Diese kann auf Anfrage bei der Domstiftung abgefordert werden. Darüber hinaus wird die Studie im PDF-Format über die Internetadresse http://www.domschatz-halberstadt.de abrufbar sein. Weiterführende Anfragen können an die Domstiftung des Landes Sachsen-Anhalt gerichtet werden.


Fazit

In beispielhafter interdisziplinärer Zusammenarbeit ist von den Mitgliedern der Projektgruppe Domschatz Halberstadt und den Projektpartnern eine umfassende Bestandsaufnahme der Umweltbedingungen in den denkmalgeschützten Innenräumen des Halberstädter Domschatzes vorgenommen worden. Daraus ableitend wurde ein auf die konservatorischen Erfordernisse abgestimmter Maßnahmeplan zur nachhalti-gen Verbesserung der Sicherung, Pflege und Präsentation dieses Kirchenschatzes, der zu den bedeutendsten Sammlungen mittelalterlicher Kunst, die in Deutschland bei einer Kirche erhalten blieben, zählt, entwickelt und dessen Verwirklichung mittels eines Bauablaufplanes und einer Kostenschätzung konkretisiert.

Übersicht

Fördersumme

86.919,62 €

Förderzeitraum

27.08.2000 - 27.08.2001

Bundesland

Sachsen-Anhalt

Schlagwörter

Kulturgüter
Umweltkommunikation