Geschundene Schunter – Fluss in Braunschweig wird wieder lebendiger
Erster Spatenstich ist gemacht – DBU fördert mit 600.000 Euro
Braunschweig. Den ersten Spatenstich zur Renaturierung der Schunter setzte heute Braunschweigs Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann gemeinsam mit dem Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde. Auch Siebtklässler der Integrierten Gesamtschule Querum griffen zu Spaten und Schaufeln. Im ersten Schritt des Revitalisierungsprojektes wurde das neu gegrabene Bett des Sandbachs an die Schunter angeschlossen und geflutet. Insgesamt sollen etwa viereinhalb Kilometer zwischen den Ortsteilen Hondelage und Dibbesdorf renaturiert werden. Dort ist die Schunter kanalisiert und schneidet tief ins Gelände ein. Nahezu völlig fehlt ihr eine Verbindung zur Aue. Nun wird das ursprüngliche Flussbett wieder hergestellt, um Tier- und Pflanzenarten wiederanzusiedeln und um Überschwemmungsflächen zu schaffen, die die Hochwassergefahr verringern. Die DBU fördert das Vorhaben mit knapp 600.000 Euro. Brickwedde: „Damit gehört das Projekt derzeit zu den größten im Förderbereich Naturschutz!“
DBU will helfen, Stadtbewohnern Teile ihrer Flüsse zurückzugeben, die in den siebziger Jahren unter Beton verschwunden sind
„Braunschweig setzt mit diesem Projekt erneut ein umweltpolitisches Zeichen und gibt ein eindrucksvolles Beispiel erfolgreicher Stadt- und Landschaftsentwicklung“, sagte Oberbürgermeister Hoffmann. „Denn wir verbessern nicht nur den ökologischen Zustand der Schunter, sondern werten auch den Landschaftsraum als Naherholungsgebiet erheblich auf.“ Von den Kosten der Renaturierung, die baulich 2008 abgeschlossen sein soll, trägt die Stadt selbst 900.000 Euro. Das Renaturierungsprojekt der Schunter begleiten Schulen sowie das Regionale Umweltbildungszentrum Dowesee. Und der Fluss wird zum „grünen Klassenzimmer“: Schülerinnen und Schüler können hier Untersuchungen vornehmen und Bauarbeiten ausführen.
Schunter soll wieder Lebensraum für viele Tierarten werden
Auf den rund 125 Hektar Auenfläche werden im Wechsel Flutrinnen und Flutmulden sowie Tümpel, Teiche und Altarme angelegt. Neben ihrer ökologischen Bedeutung entlasteten die Flutrinnen auch die angrenzenden Orte vom Hochwasser, so Hoffmann. Außerdem erhalte die Schunter Aufweitungen, Kiesbänke, Störsteine, die das Wasser verwirbeln und säubern, sowie kleine Vertiefungen (Kolke). Noch vermehrten sich dort kaum Fische, weil keine Laichhabitate und so genannte „Kinderstuben“ mit einem ausreichenden Nahrungsangebot an Fliegenlarven mehr existierten. Die Renaturierung solle das ändern und Lebensräume für verschiedene Insekten-, Amphibien- und Vogelarten schaffen. Auch der Storch solle künftig dort wieder Nahrung finden.