Technische Universität Dresden
Professur für BWL
insbesondere Nachhaltigkeitsmanagement und Betriebliche
Falkenbrunnen, Raum FAL A 104 a
01062 Dresden
Durch hochwertige Forschung tragen Hochschulen wesentlich zu einer aufgeklärten Gesellschaft bei, indem sie theoretisch und methodisch gestütztes Wissen generieren, kritisch reflektieren und transferieren. Zudem vermitteln sie als Lehr- und Bildungsinstitutionen verschiedene Haltungen, Fähigkeiten und Kompetenzen, die in künftige Gesellschaftsentwicklungen einfließen. Den Hochschulen wird somit eine Vorbild- und Multiplikatorfunktion nicht nur in der Förderung einer nachhaltigen Entwicklung, sondern auch in der Transformation der Gesellschaft in Richtung einer nachhaltigen Zukunft zugeschrieben. Dabei entfalten sich die hochschulischen Auswirkungen im Sinne eines gesamtinstitutionellen Ansatzes über die fünf hochschulspezifischen Handlungsfelder, nämlich Lehre, Forschung, Transfer, Governance und Betrieb.
Nachhaltigkeitsberichte sind in diesem Kontext ein geeignetes Instrument, um gesellschaftliche Verantwortung zu kommunizieren sowie die organisationsinterne Bewertung der Nachhaltigkeit der gesamten Institution darzustellen. Hochschulen gehen deswegen immer häufiger dazu über, freiwillig Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen, um ihren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung transparent darzustellen und um langfristig ihr institutionelles Nachhaltigkeitsprofil zu schärfen. In diesem Kontext können bestimmte Hindernisse entstehen, die zu einer eher geringen Qualität sowie Mangel an den quantitativen Zielsetzungen führen. Allerdings sind die gängigen Standards nicht speziell auf den Bildungssektor zugeschnitten, sondern universell anwendbar und daher möglicherweise nicht ausreichend auf die Besonderheiten universitärer Strukturen abgestimmt. Die mangelnde Standardisierung in der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Hochschulen führt nicht nur zu einem erheblichen Ressourcenaufwand bei der Datenerhebung innerhalb der Hochschulen, sondern macht auch einen Vergleich der Hochschulen aufgrund zahlreicher unterschiedlicher Frameworks, Berichtszeiträume und fehlender einheitlicher Vorgaben nahezu unmöglich. Diese individuellen Ansätze zur Identifikation der relevanten Bereiche und Indikatoren erfordern umfangreiche finanzielle und personelle Ressourcen.
Ziel des UNISIMS-Projektes ist es deswegen, (1) die Vielfalt bestehender Ansätze zu identifizieren, die in Nachhaltigkeitsberichterstattung und -bewertung vorliegen und eine Kategorisierung der unterschiedlichen Indikatoren zu entwickeln, um eine vereinfachte Vergleichbarkeit und Standardisierung der Nachhaltigkeitspr
Das UNISIMS-Projekt basiert methodisch auf dem partizipativen Ansatz. Der partizipative Ansatz ist ein integrativer Forschungsansatz, wo relevante Stakeholder aktiv in den gesamten Forschungsprozess einbezogen werden. Alle Ideen, Kommentare und Kritikpunkte werden ernst genommen und für den weiteren Prozess berücksichtigt. Der Prozess des partizipativen Ansatzes hat verschiedene Phasen. Zu Beginn des Projektes wurden relevante Themen und hochschulspezifische Bedürfnisse im Rahmen einer systematischen Literaturrecherche ermittelt. In der Planungsphase (April bis September 2021) wurden mögliche Indikatoren für die Handlungsfelder Lehre, Forschung, Transfer, Betrieb und Governance systematisch und umfassend erhoben. Im nächsten Schritt wurden Projekte auf nationaler Ebene sowie deren Ergebnisse analysiert. Anschließend wurden Gesetze, Richtlinien und Strategien wie etwa UN Sustainable Development Goals, Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, Klimaschutzprogramm 2030 sowie Bundes-Klimaschutzgesetz und Hochschulgesetze analysiert. Danach wurden relevante Indikatoren identifiziert und den jeweiligen Handlungsfeldern zugeordnet. Die Definitions- und Planungsphase endete mit einem Kick-Off mit den Pilothochschulen im September 2021 sowie der Auftaktveranstaltung im Oktober 2021. Parallel dazu fanden mehrere Einzelgespräche mit den interessierten Institutionen statt. Anschließend fanden zahlreiche Workshops und Fokusgruppendiskussionen zur Festlegung der Indikatoren.
Das UNISIMS-Projekt umfasste folgende Arbeitspakete:
AP 1: Systematische Erhebung von möglichen Indikatoren (J 2021)
AP 2: Partizipative Identifikation und Festlegung von geeigneten Indikatoren (Workshops) (JJ 2021-2022)
AP 3: Stakeholder-Befragung (JJ 2021-2022)
AP 4: Entwicklung eines Benchmark-Systems und Testphase (JJ 2022-2024)
AP 5 Anwendungsphase (Begleitung durch Workshops für einzelne Hochschulen
oder regionale Hochschulgruppen) sowie prozessbegleitende Evaluation und Optimierung (JJ 2023-2024)
AP 6: Dokumentation und Multiplikation der Ergebnisse (fortlaufend)
AP 7: Öffentlichkeitsarbeit und Transfer (fortlaufend)
AP 8: Aufbau und Programmierung der Datenbank für das webbasierte Bench-mark-System (JJ 2022-2024)
AP 9: Laufende Betreuung des webbasierten Benchmark-Systems (fortlaufend)
AP 10: Wissenschaftliche Begleitforschung (fortlaufend)
In der Durchführungsphase wurden die Schwerpunktbereiche sukzessive weitersystematisiert. In der ersten Phase wurden zwei Treffen mit interessierten Stakeholdern für jedes Handlungsfeld durchgeführt. In der zweiten Phase wurden identifizierte Indikatoren für jedes Handlungsfeld in Form einer Excel-Tabelle auf Praxisrelevanz getestet. In der dritten Phase wurden die Arbeitsgruppen für jedes der fünf Handlungsfelder eingesetzt. Im Rahmen der Fokusgruppendiskussionen in diesen Arbeitsgruppen wurde die Weiterentwicklung der Indikatoren sowie die endgültige Formulierung vorgenommen. Am Ende des Prozesses wurde jeweils ein Flyer mit Indikatoren für jedes Handlungsfeld veröffentlicht.
Nach diesen drei Phasen erfolgte eine Anwendung im webbasierten Berichtstool, was ein wichtiger Meilenstein zur Anwendung der Indikatoren ist. Daher fanden in regelmäßigen Abständen IT-Workshops statt, um offene Fragen zu besprechen, Bewertungsfragen zu klären und Funktionalität des Tools zu erklären.
Das UNISIMS-Projekt trägt dazu bei, das hochschulische Nachhaltigkeitsmanagement messbar und steuerbar zu machen. Durch eine Operationalisierung der Nachhaltigkeitsaspekte können negative Umweltauswirkungen aller hochschulischen Handlungsfelder erkannt und gegengesteuert werden. Dies erfolgt über die im UNISIMS-Projekt entwickelte Indikatorik, die den gesamtinstitutionellen Ansatz verfolgt. Die Indikatoren für Lehre, Forschung und Transfer bilden die Umweltentlastungseffekte dieser Handlungsfelder umfassend ab, ebenso wie die Indikatoren für Governance und Betrieb.
Insgesamt wurden alle gesetzten Ziele vollumfänglich erreicht.
Die Arbeit mit den Kooperationspartnern gestaltete sich als sehr angenehm und wertschätzend. Es waren viele intrinsisch motivierte Personen beteiligt, die die Transformation an ihren jeweiligen Hochschulen vorantreiben wollen. Insgesamt haben 25 Hochschulen am Projekt als Pilothochschulen und 26 als interessierte Hochschulen teilgenommen. Darüber hinaus haben Hunderte Vertreterinnen des Hochschulsektors von den Veranstaltungen profitiert. Außerdem konnte das Projekt sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene Partnerschaften bilden. Die jeweiligen Workshops sowie Auftakt-/Abschlussveranstaltung waren sehr gut besucht. Im Schnitt haben etwa 50 Personen pro Veranstaltung teilgenommen.
Insbesondere die Pilothochschulen und interessierte Institutionen konnten die gewonnenen Erfahrungen implementieren und die hochschulspezifischen Prozesse optimieren.
Die Projektergebnisse stehen der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Diese wurden bereits in mehreren Veranstaltungen und Austauschformaten vorgestellt. Das Vorhaben wird im Rahmen des Vereins DG HochN weitergeführt. In diesem Kontext finden Hubs zu den Themen Nachhaltigkeitsmanagement und Nachhaltigkeitsberichterstattung statt. Aktuell wird daran gearbeitet, einen Wiki-Beitrag auf der Webseite des Vereins zu erstellen. Außerdem wurde das webbasierte Tool komplett an den Verein überführt, sodass die Hochschullandschaft weiterhin davon profitieren kann.
Als Bildungseinrichtungen spielen Hochschule eine bedeutende Rolle in der nachhaltigen Transformation unserer Gesellschaft. Das UNISIMS-Projekt setzte genau an dieser Stelle an. Bemerkenswert ist, dass während der Antragstellung mit max. 14 interessierten Hochschulen gerechnet wurde. Während der Projektlaufzeit konnte das UNISIMS-Projekt erstaunlicherweise 25 Pilothochschulen und 26 interessierte Institutionen (aus insgesamt 13 Bundesländern) sowie mehrere (inter-)nationale Partnerinnen und Projektverantwortlichen für die Nachhaltigkeitsbewertung an Hochschulen (EU und Nicht-EU Ausland) begeistern. Die Entwicklung der 88 Indikatoren aus ca. 1.200 international verfügbaren Kriterien hat auf inter- und nationaler Ebene für großes Aufsehen gesorgt.
Insgesamt war das UNISIMS-Projekt ein großer Erfolg. Das Interesse seitens der Hochschulen war sehr groß. In Zukunft sollte weiterhin in Richtung Erarbeitung eines ganzheitlichen und digitalen Nachhaltigkeitsmanagementsystems sowie Operationalisierung und Weiterentwicklung der Indikatoren weitergearbeitet werden. Seitens der Hochschulen kam mehrmals die Rückmeldung, dass wir unsere Arbeit im Rahmen des partizipativen Ansatzes fortführen sollen.